Berichte 18/19

Zertifikatsklausur Mathematik an der Universität Stuttgart

Seit dem Wechsel zum achtjährigen Gymnasium und dem Wegfall der früheren Leistungskurse in der Oberstufe häufen sich die Beschwerden der Universitäten in Baden-Württemberg über die mathematischen Kenntnisse von Studienanfängern in den Bereichen Mathematik und Informatik sowie Natur-, Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften. Den Schülern selbst kann dies sicherlich nicht vorgeworfen werden, denn sie tragen nicht die Verantwortung dafür, dass zahlreiche für das Studium wichtige mathematische Inhalte in der Schule nur noch oberflächlich angesprochen werden oder gar ganz gestrichen wurden.

Leider wird auch die erneute Umgestaltung der gymnasialen Oberstufe ab dem nächsten Schuljahr keinerlei Abhilfe schaffen, da die Schüler in dem neuen fünfstündigen Mathematikkurs völlig unverändert nach demselben Bildungsplan unterrichtet werden sollen, der bereits in den letzten fünfzehn Jahren für den bisherigen vierstündigen Kurs gültig war. In den neuen dreistündigen Mathematikkursen soll das inhaltliche Niveau zudem abermals abgesenkt werden.

Bereits im sechsten Jahr steuert das HGG in der Kursstufe mit dem Vertiefungskurs Mathematik dieser Entwicklung erfolgreich entgegen, anfangs im Rahmen eines Schulversuches und seit vier Jahren in Form eines regulären Oberstufenkurses.

Dieser zweijährige Kurs für die gymnasiale Kursstufe wurde von der Fakultät Mathematik der Universität Stuttgart in Zusammenarbeit mit Vertretern der Kultusbehörde entwickelt und kann von den Schülern zusätzlich zum regulären Pflichtkurs in Mathematik belegt werden. Nach dem ersten Jahr findet zu Beginn der Klassenstufe 12 an den Universitätsstandorten im Land eine Zertifikatsklausur statt, mit deren Bestehen die teilnehmenden Schüler bei Bewerbungen für Studienplätze und Praktikumsstellen belegen können, dass sie im Bereich Mathematik eine erweiterte schulische Ausbildung absolviert haben.

Dieser Vertiefungskurs fand am HGG von Anfang an großen Zuspruch (deutlich mehr als im Landesdurchschnitt), und so meldeten sich auch dieses Jahr wieder neun Schüler zur Zertifikatsklausur an. Ein ganzes Jahr lang hatten sie sich mit Aussagenlogik, mathematischen Beweisen, dem Lösen von komplizierten Gleichungen sowie mit Grenzwerten von Folgen und Funktionen beschäftigt und zur Prüfungsvorbereitung alle Klausuren der Vorjahre durchgearbeitet.

Am Freitag, dem 28. September 2018, traten dann allein an der Universität Stuttgart über tausend Oberstufenschüler an, verteilt auf zahlreiche Standorte und Hörsäle im ganzen Stadtgebiet. Unsere Schüler waren für den Campus in Vaihingen eingeteilt worden, wo sie mit über hundert anderen Schülern in einem großen Hörsaal zum ersten Mal Uni-Atmosphäre schnuppern konnten.

Anders als in der Schule fand die Klausur (wie viele Prüfungen an der Universität) ohne Hilfsmittel statt, also nur mit Papier und Stift, aber ohne Taschenrechner oder Formelsammlung. Ungewohnt war für Schüler auch, dass man einen Personalausweis vorlegen musste, um sich persönlich auszuweisen.

Da die Korrektur sehr zeitintensiv ist, werden die Ergebnisse erst kurz vor Weihnachten feststehen, so dass die Schüler wie bei der schriftlichen Abiturprüfung rund zwei Monate warten müssen, bis sie erfahren, wie sie abgeschnitten haben.

Unsere letztjährigen HGG-Teilnehmer konnten bei der Bekanntgabe der Ergebnisse übrigens durchaus stolz sein, da sie hervorragende Ergebnisse erzielt hatten.