Berichte 17/18

Stuttgart- jenseits von Pracht und Luxus

Die einzigartige Metropole Stuttgart ist mit all ihren Sch├Ânheiten und Sehensw├╝rdigkeiten eine der empfehlenswertesten St├Ądte Deutschlands. Doch wer kennt die fast unsichtbare und dunkle Zwischenwelt des S├╝dens ÔÇô jenseits von pomp├Âs und teuer?

Bei einer zweist├╝ndigen Stadtf├╝hrung am 16. M├Ąrz stellten Doris Walter und Thomas Schuler den beiden zehnten Klassen ihr einst hartes und bitteres Leben auf der Stra├če vor. Beide sind ehemalige Obdachlose. Sie arbeiten heute als Verk├Ąufer/in der Stra├čenzeitung des gleichnamigen Vereins Trott-war.

┬áNachdem sich Herr Schuler kurz vorgestellt hatte, begann die alternative F├╝hrung am Charlottenplatz. Wie ein roter Faden zogen sich Suchtprobleme durch die einzelnen Stationen. Bei Herrn Schuler war es der Alkohol, mit dem er schon in seinem Elternhaus in Kontakt kam. Am Ende seiner Suchtkarriere hatte er einen sog. Ruhepegel von ├╝ber 2,7 Promille Alkohol. Den Absprung schaffte er, weil ihm die Liebe seines Lebens begegnete, die heute noch andauert. Er begann einen Entzug und ist seitdem trocken. Durch seine T├Ątigkeit f├╝r Trott-war ist er heute nicht mehr auf Sozialleistungen angewiesen. Er ist stolz darauf, wie er sagt, dass er heute auch wieder selbst in die Sozialsysteme einzahlt. Obdachlosigkeit ist insgesamt weiter ein gro├čes Problem. Sch├Ątzungen gehen f├╝r Stuttgart von einer mittleren vierstelligen Zahl aus. Gut in Erinnerung blieb, dass in Stuttgart die j├╝ngste Wohnsitzlose ein zw├Âlfj├Ąhriges M├Ądchen ist ÔÇô ein Fall, der uns alle ber├╝hrte und schockierte.

┬áAls sich die Stadtf├╝hrung dem Ende neigte, machten wir uns auf den Weg zum Marienplatz. Fr├╝her war dies ein parkartig gestalteter Ort, der sich zum Treffpunkt von Drogens├╝chtigen und Obdachlosen entwickelte. Die Stadt entschied sich f├╝r eine Totalver├Ąnderung; heute ist es ein betongrauer Platz. Er ist f├╝r die Polizei gut einsehbar. F├╝r ├ťbernachtungen zu zugig und kalt von unten. Die fr├╝heren ÔÇ×BewohnerÔÇť sind mittlerweile tot oder weitergezogen. Gel├Âst ist das Problem nicht.

Herr Schuler und Frau Walter beantworteten geduldig unsere Fragen. Wir bedankten uns herzlich und verabschiedeten uns. Es war ein beeindruckender Einblick in Stuttgarts Schattenseiten, der uns Sch├╝ler zum Nachdenken anregte.