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oder wie Seyfried und Whittet untergingen

Am 11. Mai zu einer Zeit, die laut Wissenschaft eigentlich nicht für Jugendliche vorhergesehen ist, standen wie jedes Jahr 55 müde Zehntklässler und 7 (auch müde) Lehrkräfte am  HGG und hinterfragten ihre Lebensentscheidungen. Sobald die üblichen Komplikationen des Gepäckverstauens und Plätzesuchens überwunden waren, ging es los in Richtung Schliersee. Die vierstündige Busfahrt entwickelte sich schnell zu einem wilden Mix aus Musikboxen, Snacks, schlechten Witzen und dem verzweifelten Versuch einiger Leute, trotz voller Lautstärke noch etwas Schlaf zu bekommen.

Leider wurden wir in Bayern von Regen, Nebel und Gewitter begrüßt. Nach einem kurzen Mittagessen an der Jugendherberge ging es aber nichtsdestotrotz mit dem Programm los – wie üblich bestand dies für alle entweder aus Radfahren oder Wandern.

Die Wandergruppe absolvierte die ersten Höhenmeter, wobei sich die wahre Persönlichkeit einiger Schüler zeigte: Während manche erstaunlich sportlich den Berg erklommen, entwickelten andere plötzlich großes Interesse an Geologie, Flora und Fauna oder einfach daran, möglichst lange stehen zu bleiben. Durch die sehr freie Interpretation von „wasserfester Kleidung“ sahen viele von uns so aus, als wären sie gerade mitten durch den See gelaufen und nicht am Ufer entlang – so konnten wir uns auch das Baden sparen. Da die gesamte Ufergastronomie geschlossen war, verweilten wir kaum am See, sondern fanden unsere Rettung zeitnah in Form des Linienbusses Richtung Tal. Selten wurde der ÖPNV mit so viel Freude empfangen. Von der Haltestelle ging es dann weiter zur Jugendherberge, wo erstmal Freizeit angesagt war. Schnell wurde klar, dass der Billardtisch in den kommenden Tagen zum sozialen Mittelpunkt der gesamten Klassenfahrt werden würde.

Auch die Fahrradgruppe hatte wegen des Wetters mit der Motivation zu kämpfen. Trotz Regens, Schlamm und diversen Steigungen zogen sie die geplante Route aber durch und kamen später mehrheitlich komplett matschüberzogen zurück. Einige sahen aus, als ob sie mehrere Tage in der Wildnis verbracht oder durch ein Moor abgekürzt hätten. Auch die Radler teilten sich irgendwann in Vorhut, Mittelfeld und „wo sind die eigentlich?“ auf. Am Ende des Tages konnten aber alle die Tour erfolgreich, stolz und mit einer warmen Dusche beenden.

Nach dem Abendessen – das in der Bewertung zwischen „eigentlich ganz okay“ und „eine interessante Erfahrung“ schwankte – wurde der Anreisetag deutlich entspannter. Mit etwas Tischtennis, viel Billard und dem ein oder anderen „Erfrischungsgetränk“ ließ es sich doch ganz gut aushalten. Parallel dazu lieferten sich die Lehrkräfte ein überraschend intensives Schlager/Partymusik-Battle bei „Hitster“. Mit fortschreitendem Abend stieg dabei nicht nur die Lautstärke, sondern auch die Leidenschaft, mit der plötzlich über alte Partyhits diskutiert wurde. Der Erfolg einiger Lehrer lässt sich an der Überschrift dieses Textes ableiten.

Die irgendwann folgende Nachtruhe interpretierten manche zwar eher als Startsignal für maximale Eskalation in Form von Lärm und Zimmerbesuchen – dennoch war es ein gelungener erster Tag und garantiert nicht langweilig.

Traditionell ist für den zweiten Tag die große Wanderung/Radtour angesetzt – ein Programmpunkt, den vermutlich schon Generationen von Zehntklässlern nur knapp überlebten. Allerdings hatte das Wetter offensichtlich andere Pläne. Irgendwann kamen selbst die Lehrkräfte zu der Einsicht, dass es keinen Sinn macht, 55 Schülerinnen und Schüler einen ganzen Tag lang durch peitschenden Regen und Schnee, bittere Kälte und dementsprechend Unmengen Matsch auf die Berge zu jagen. Also wurde spontan umdisponiert: Statt Gipfelkreuz gab es Großstadtluft. München wartete.

Auch ohne Steigungen fiel unsere Gruppe erstaunlich schnell auseinander, wie der Weg zum Bahnhof eindrücklich zeigte. Dort angekommen wartete dann direkt das nächste Stück deutscher Kultur: 15 Minuten Verspätung. Man wollte uns München eben möglichst authentisch präsentieren.

Zur Auswahl standen ein Besuch des Deutschen Museums oder des Lenbachhauses auf dem Programm. Das Votum fiel eindeutig aus: 53 Schülerinnen und Schüler entschieden sich für eine Reise durch Naturwissenschaft und Technik, während immerhin zwei Personen gemeinsam mit Frau Whittet den künstlerischen Weg einschlugen. Das Lenbachhaus-Team blieb damit zwar deutlich in der Unterzahl, konnte dafür aber jedes Kunstwerk ohne Gedränge in Ruhe anschauen.

Die Exponate im Deutschen Museum fanden unterschiedlichen Anklang unter den Zehntklässlern. Manche waren sichtlich begeistert, andere interessierten sich erstaunlich stark für die Sitzmöglichkeiten und verbrachten ihre Zeit damit, möglichst alle Bänke durchzutesten. Wieder andere entwickelten einen enormen Enthusiasmus dafür, einfach jeden Knopf auszuprobieren – Hauptsache, irgendetwas bewegte sich, leuchtete oder machte Geräusche.

Nach den Museumsbesuchen trafen sich alle wieder und liefen gemeinsam über den Viktualienmarkt Richtung Marienplatz. Dort begann dann der Teil des Tages, auf den vermutlich viele gewartet hatten: Freizeit in Kleingruppen. München wurde daraufhin auf sehr unterschiedliche Arten erkundet. Einige suchten direkt Restaurants und nahmen ihr Mittagessen ein, welches von traditionell bayerisch bis italienisch sehr verschieden ausfiel. Andere verschwanden innerhalb von Sekunden in Einkaufszentren oder diversen Läden und wurden erst Stunden später wieder gesichtet. Eine kleine ambitionierte Gruppe nutzte die zur Verfügung stehende Zeit dagegen maximal aus und machte eine komplette München-Tour in Rekordzeit. Zwischen Frauenkirche, Einkaufsstraßen, Englischem Garten und der berühmten Eisbachwelle wurde alles aufgesogen, was irgendwie spannend aussah.

Nachmittags ging es dann gemeinsam vom Hauptbahnhof wieder zurück Richtung Schliersee – und natürlich zeigte sich ausgerechnet dann plötzlich wieder die Sonne. Nachdem uns das Wetter die Outdooraktivitäten praktisch unmöglich gemacht hatte, präsentierte sich der Schliersee doch noch von seiner schönsten Seite. Das Timing hätte kaum besser sein können. Ein kleiner Abendspaziergang durch das Örtchen Josefstal führte uns anschließend zurück zur Jugendherberge.

Dort wartete bereits das Essen, bevor der zweite Abend genauso endete wie der erste: Billard, Tischtennis, Gespräche, Gelächter und Lehrkräfte, die sich erneut erstaunlich intensiv und emotional ihrem Schlager-Abendprogramm widmeten. So war auch der zweite Tag viel zu schnell vorbei.

Am dritten und letzten Tag begann der Morgen mit Frühstück, Koffer packen und dem Überprüfen, ob wirklich alle ihre Sachen wiedergefunden hatten – was in manchen Zimmern schwieriger war als erwartet.

Anschließend ging es für die Wandergruppe mit dem Bus Richtung Schliersee. Dort startete die letzte große Tour: einmal am See entlang und danach hinauf zu einer Alm. Der Aufstieg hatte es zwar stellenweise in sich, für die Mühen wurden wir oben aber mit einer beeindruckenden Aussicht belohnt. Zwischen Bergen, Sonnenschein und Blick auf den See fühlte sich das Ganze zum ersten Mal eher nach Urlaub als nach Schulausflug an.
Nach einer zünftigen Brotzeit ging es mit der Sommerrodelbahn wieder zurück ins Tal. Spätestens jetzt war die Motivation bei allen wieder erstaunlich hoch. Unten angekommen legten wir noch einmal eine längere Pause direkt am Schliersee ein. Viele entspannten am Wasser, genossen die Aussicht oder nutzten die traumhafte Bergkulisse dafür, am Handy zu spielen. Einige gestalteten die Rast etwas aktiver: Trotz eiskaltem Wasser gingen tatsächlich drei Lehrkräfte und ein Schüler noch kurz im Schliersee schwimmen. Die Temperaturen erinnerten zwar eher an eine spontane Kryotherapie, die Erfrischung war aber unverkennbar.

Dank des erfreulichen Wetterumschwungs stand auch den Radfahrern nichts mehr im Wege, die wunderschöne Alpenregion bei einer großen, wenn auch anstrengenden Runde zu erkunden.

Zurück an der Jugendherberge ergriffen viele noch die Gelegenheit, sich beim lokalen Rewe mit Snacks für die Heimfahrt einzudecken, während andere einfach die letzten Stunden mit Freunden und Freundinnen genossen.

Ein sehr netter und extrem gut gelaunter Busfahrer brachte uns zurück Richtung Heimat. Die Stimmung war irgendwo zwischen müde, zufrieden und leicht melancholisch – eben genau dieses typische Gefühl am Ende einer gelungenen Klassenfahrt. Gegen 21 Uhr kamen wir schließlich wieder an der Schule an, wo bereits die Eltern warteten und damit die Schliersee-Exkursion 2026 offiziell endete.