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Zwischen Komik und Kritik:

Kleist-Lustspiel in Stuttgart

Am 18. November besuchten wir im Deutsch Leistungskurs die Theateraufführung “Der zerbrochne Krug” von Heinrich von Kleist in der Schauspielbühne Stuttgart. Die gelungene Inszenierung von Ulrich Wiggers zeigt den Dorfrichter Adam, der vor einem gut durchdachten Bühnenbild einen Gerichtsprozess führen soll, in dem er selbst der Schuldige ist.

Anders als bei Ödipus ist dem Dorfrichter dies jedoch von Anfang an bewusst. Auch das Publikum erfährt schon ganz am Anfang durch klug eingebaute Anspielungen, dass Adam derjenige war, der den Krug, um den es in dem Gerichtsprozess geht, zerbrochen hat.

Im weiteren Verlauf des Stücks kann beobachtet werden, wie trotz seiner Vertuschungsversuche die viel kompliziertere Wahrheit, die weit über den Krug hinausgeht, ans Licht kommt.

 

Sobald man in den Theatersaal tritt, wird man von Leif-Erik Heines Bühnenbild begrüßt, das die ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht. Wer im Voraus schon die Lektüre gelesen hat, kann viele wichtige Details erkennen, die im späteren Verlaufe des Abends noch bedeutend werden. Schiefe Holzlatten ragen vom Boden auf, ein Stuhl hängt zusammen mit einem Stück Boden und einem Fenster kopfüber an der Decke, der Richtertisch ist in der Mitte durch einen Riss in zwei geteilt und überall liegen Strohballen. Gerahmt wird der Gerichtssaal auf der rechten Seite von nicht zueinander passenden Fußspuren im Schnee und auf der linken von einem Fenster, umrahmt von einem Spalier. Diese Gestaltung wirkt symbolisch. Sie deckt schon, noch bevor das Spiel anfängt, auf, wie brüchig die Rechtsordnung in dem kleinen niederländischen Dorf Huisum ist.

 

Im Mittelpunkt des Ganzen steht Andreas Klaue, der auf beeindruckende Art und Weise die schwierige Rolle des Dorfrichter Adams spielt. Er verkörpert Adam mit einer Mischung aus Überheblichkeit, Hinterlistigkeit und Panik, die seine Figur fast schon zu peinlich erscheinen lässt. Dabei sind sowohl seine Mimik als auch die Momente der Realisation und Verzweiflung, die das Publikum über ihn lachen lassen, perfekt ausgeführt.

Auch Marie Schröder als Eve trägt stark zum Spannungsaufbau im Theater bei, bis am Ende alle Intrigen und Lügen aufgedeckt werden. Trotz ihrer zentralen Rolle schweigt Eve bis zum Ende, was jedoch, wie jeder im Saal erkennen kann, nicht freiwillig wirkt. Immer wieder scheint Adam ihr mit etwas zu drohen, und in einem Crescendo scheint Eve immer mehr wegen ihres inneren Konfliktes fast zu platzen, bis sie es schlussendlich tut.

 

Wiggers Inszenierung hebt vor allem die Aspekte des Machtmissbrauchs in Machtpositionen hervor, die auch heute noch eine große Rolle spielen. Der Dorfrichter Adam, der Schreiber Licht und der Gerichtsrat Walter sind die drei Figuren im zerbrochnen Krug, die für das Recht stehen. Jeder von ihnen handelt jedoch eigensinnig und bricht das Recht immer wieder. Adam führt einen Prozess, in dem er selbst schuldig ist und versucht dabei panisch all seine Fehltritte zu vertuschen, durch ausgeschmückte Lügen und die Abwälzung seiner Schuld auf andere. Licht, der zwar am Ende eine zentrale Rolle spielt, um Adam zu überführen, bis dahin jedoch immer wieder ihm hilft, den Alkoholkonsum und die schwarze Kasse zu verstecken. Und schließlich der Gerichtsrat Walter, der in Huisum zu Besuch ist, um nach den Rechten zu sehen, der jedoch viel zu nachsichtig mit Adam umgeht und von diesem während des Prozesses zudem auch Wein annimmt.

 

Insgesamt ist diese Inszenierung sehr gelungen. Die Kombination vom Bühnenbild, das visuell schon einen Vorgeschmack auf das folgende Stück gibt und dem ausdrucksstarken, zugleich aber nicht überspitzten, Schauspiel unterhält das Publikum und regt es zugleich zum Nachdenken an.